Absolut kein Social Media und erfolgreich: das geht?
11.02.2026

Letzte Woche waren wir auf Workation. Was das ist? Eine gesunde Mischung aus Arbeiten und Pause machen an einem anderen Ort als dem, an dem man normalerweise ist. Bei uns ist das unser Büro oder manchmal auch zu Hause. Ja, ich weiß, sollte man nicht immer so machen und Arbeit und Privatleben trennen, funktioniert aber leider nicht immer.
Wir waren in der Pfalz und haben ein wunderbares AirBnB in den Weinbergen gefunden. So viel Ruhe. Wirklich komplette Stille, an die man sich erstmal gewöhnen muss. Für Chris am Anfang direkt gruselig, weil zu still. Maila fand die neuen Geräusche auch erstmal gruselig. Ich, als alte Dorfblume, fand das fantastisch. Mein Gehirn konnte das mal wieder genießen.
Also morgens eine große Runde raus, dann ein paar Stunden effektiv arbeiten. Content produzieren und dann eine riesige Runde wandern. Ja, Wandern ist unser Ding. Neue Orte anzugucken und in der Natur zu sein, finden wir alle drei ganz großartig.
Local Business Marketing funktioniert anders?
Was wir auch ganz toll finden, ist, lokale Händler zu unterstützen. Also gucke ich mal ein bisschen nach Weinbauern in der Umgebung. So richtig oldschool mit einer Google-Suche. Und siehe da: super viele Weinerzeuger in unserer Umgebung. Keine 15 Minuten mit dem Auto. Google verrät mir auch die Öffnungszeiten: täglich von 16:30 – 18:00 Uhr. Sportlich. Ok, also gucke ich mir das mal an.
Pünktlich um 16:28 Uhr fahre ich auf den Parkplatz. Dann gehe ich auf das Gut. Ein lächelnder älterer Herr kommt mir entgegen und fragt, ob ich Wein kaufen möchte. Genau deswegen bin ich hier, ist meine Antwort mit einem Lächeln. Ich betrete den Verkaufsraum und bekomme einen Papierflyer vorgelegt, damit ich mir die Auswahl ansehen kann. Ich habe mir das vorher schon auf der Homepage angeguckt und weiß also direkt, was ich ausprobieren möchte.
Der gute Winzer beginnt zu erzählen. Seine Familiengeschichte, wie lange es das Weingut schon gibt. Welche berühmten Köche regelmäßig bei ihm Wein kaufen würden. Ich erfahre wirklich alles, mit ein paar gezielten Fragen meinerseits, weil ich es wirklich spannend finde, was der gute Mann zu erzählen hat. Er ist mittlerweile 76 Jahre alt und sein Sohn hat den Betrieb vor kurzem übernommen.
Wir unterhalten uns gut eine halbe Stunde und ich denke mir: tolle Geschichten, die sind alle wirklich pures Gold für Instagram und Co. Das ist halt meine Berufskrankheit.
Beim Bezahlen fragt mich der Winzer, wie ich auf sie aufmerksam geworden bin.
Ich: Ich habe nach Weinbauern in der Nähe gegoogelt.
Winzer: Ach, das ist ja spannend, weil wir haben ja kein Social Media, oder wie das heißt, und wir fragen unsere Kunden immer, wo sie herkommen, wenn sie bei uns im Onlineshop bestellen, aber da kommt selten Feedback.
Ich (etwas perplex): Kein Instagram, nichts?
Winzer: Nee, das funktioniert bei uns schon seit Jahren über Mundpropaganda.
Ich: Oder eben Google.
Als Serviceleistung darf ich den Wein natürlich nicht selbst zum Auto tragen. Das wird nämlich auch immer schon so vom Chef gemacht. Ich bedanke mich für das sehr nette Gespräch, wünsche ihm und seiner Familie alles Gute und fahre zurück zu unserer Unterkunft.
Immer noch komplett ungläubig, dass dieser Betrieb kein Social Media hat, durchforste ich das Internet und siehe da: nichts. Kein Instagram. Nicht mal Facebook von früher.
Und ich bin völlig überrascht, so ein seltenes Einhorn in der Marketingwelt gefunden zu haben.
Mein Learning über traditionelle Kundenbindung?
Es gibt sie noch, diese Traditionsbetriebe. Die, die durch ihre Qualität überzeugen. Die, die schon seit Jahrzehnten am Markt erfolgreich sind – auf ihre Art und Weise. Und ja, was ich auch erfahren habe: Vor 15 Jahren gab es noch 10 Weinbauern in dem Gebiet. Jetzt sind es nur noch 2. Aber diese haben sich stark vergrößert.
Jeder baut sich sein Marketing so auf, wie er oder sie sich damit wohlfühlt und authentisch sein Produkt verkauft.
Alles andere wird in Zukunft nicht mehr funktionieren, weil wir nicht mehr nur Produkte verkaufen. Ein Stück weit verkaufen wir auch unsere Energie.
Und wenn wir alles richtig machen, dann mit unseren Werten, für die wir einstehen.
Wie positionierst du dich am Markt? Was fühlt sich für dich richtig im Marketing an?